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Morgenstimmung im Anaamaya: tropischer Garten, kleiner Pavillon und der stille See dahinter

Was Dinacharya bedeutet

Din heißt Tag, Charya bedeutet Tätigkeit oder Ablauf. Dinacharya ist also die ayurvedische Tagesroutine. Ayurveda verfolgt zwei Anliegen: die Gesundheit gesunder Menschen zu erhalten und kranke Menschen zu begleiten. Die Tagesroutine gehört zum ersten Teil. Sie lädt dich ein, im Einklang mit dem Rhythmus von Tag, Nacht und Jahreszeiten zu leben. Weil jeder Mensch seine eigene Mischung der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha in sich trägt, darf auch jede Routine ein bisschen anders aussehen.

Langsam anfangen

Eine neue Routine muss nicht über Nacht entstehen. Zu viele Veränderungen auf einmal machen eher müde und unzufrieden. Mein Rat: Such dir zwei oder drei Gewohnheiten aus, die dir leichtfallen, und bleib vier Wochen dabei. Wenn sie selbstverständlich geworden sind, kannst du etwas Neues dazunehmen. Du bestimmst das Tempo.

Der Morgen: sanft aufwachen

Im Ayurveda beginnt der Tag früh, am liebsten vor Sonnenaufgang. Bevor du aufstehst, bewege ein paar Mal die Zehen, reibe die Handflächen warm und lege sie auf Gesicht und Augen. Schenk dem neuen Tag einen ersten dankbaren Gedanken, bevor der Alltag beginnt. Danach erfrischt ein wenig kaltes Wasser im Gesicht. Viele Menschen mögen es außerdem, morgens die Zunge mit einem Zungenschaber zu reinigen und ein oder zwei Gläser warmes Wasser zu trinken.

Ölziehen und Selbstmassage

Beim traditionellen Ölziehen (Kavala) bewegst du einen Esslöffel Sesam- oder Kokosöl einige Minuten im Mund hin und her. Spuck das Öl danach in den Restmüll, nicht ins Waschbecken, und putz dir wie gewohnt die Zähne. Ölziehen ersetzt keine Zahnpflege. Für die Selbstmassage (Abhyanga) erwärmst du Öl im Wasserbad und massierst es zehn bis fünfzehn Minuten ein: von Armen und Beinen zur Körpermitte, über den Gelenken mit kreisenden Bewegungen, den Bauch im Uhrzeigersinn. Vielen hilft das, ruhig und bei sich anzukommen. Danach spülst du das überschüssige Öl unter der warmen Dusche ab.

Bewegung, Atem und Stille

Ein paar langsame Yogaübungen oder ein Spaziergang wecken den Körper. Danach setzt du dich ruhig hin und atmest einige Male tief in den Bauch: Er hebt sich wie ein Ballon und senkt sich langsam wieder. Zum Schluss darfst du zehn Minuten in Stille sitzen. Gedanken kommen und gehen wie Wolken am Himmel. Wenn du an einem hängen bleibst, kehrst du einfach freundlich zu deinem Atem zurück.

Mahlzeiten mit Ruhe und Pausen

Warmes, gekochtes Essen zu regelmäßigen Zeiten ist ein Kern der ayurvedischen Ernährung. Ein leichtes Frühstück könnte ein Porridge sein: Haferflocken, Buchweizen oder Dinkel kurz in etwas Ghee oder Kokosöl anrösten, mit der doppelten Menge Milch, Pflanzendrink oder Wasser aufgießen und mit Ingwer, Kardamom oder Kurkuma würzen. Iss im Sitzen und in Ruhe, nicht im Gehen. Mittags ist nach ayurvedischer Vorstellung das Verdauungsfeuer (Agni) am stärksten, deshalb darf das Mittagessen die größte Mahlzeit sein. Zwischen den Mahlzeiten empfiehlt Ayurveda etwa vier bis fünf Stunden Pause, am Abend ein leichtes, frühes Essen.

Der Abend: zur Ruhe kommen

Der Abend darf langsam werden. Verbring Zeit mit Menschen, die dir guttun, und lass den Tag nachklingen: Wie war er? Was habe ich heute gelernt? Ein kleines Dankbarkeitstagebuch kann dabei helfen. Eine regelmäßige Schlafenszeit zeigt deinem Körper, dass es Zeit ist, loszulassen. Im Ayurveda gilt die Zeit vor zehn Uhr abends als ideal zum Einschlafen.

Im Anaamaya erleben, zu Hause weiterführen

Während einer Kur im Anaamaya gibt der Tag im Resort diesen Rhythmus ganz selbstverständlich vor: früher Morgen im Garten, Yoga, Mahlzeiten zu festen Zeiten, ruhige Abende. Viele Gäste nehmen sich ein oder zwei kleine Rituale mit nach Hause. Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus meinem Buch über Dinacharya. Er ersetzt keine persönliche Beratung: Bei Beschwerden, Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder wenn du Medikamente nimmst, besprich Veränderungen bitte vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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